| Versorgungslücken im Alter |
Immer mehr Bürger haben Zweifel an der Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung, ihren tatsächlichen Rentenanspruch kennen jedoch die wenigsten. Eine Studie über "die Deutschen und ihr Geld" zeigt, dass knapp die Hälfte der Arbeitnehmer ihre Rentenansprüche zu hoch einschätzen. Rund 15 Prozent überschätzen ihre Rentenansprüche gar um 50 Prozent. Verantwortlich für diese falschen Vorstellungen ist nicht zuletzt die "Beruhigungsstrategie", die in der öffentlichen Rentendiskussion üblich ist. So wird mit dem relativ hohen Rentenniveau des "Standardrentners" argumentiert, das derzeit bei etwa 70 Prozent liegt. Dieser Wert dient jedoch vor allem der Statistik. Er beschreibt wie sich das allgemeine Rentenniveau, gemessen am Durchschnittseinkommen aller Beschäftigten, entwickelt. Die Voraussetzungen der Standardrente (45 Versicherungsjahre stets mit Durchschnittseinkommen) erfüllen jedoch schon heute wenig Arbeitnehmer. In Zukunft werden solche Erwerbsbiografien noch seltener. Aussagekräftiger sind andere Zahlen: So betragen die empirischen Lohnersatzquoten aus der gesetzlichen Rentenversicherung der heute 61- bis 66-jährigen Rentner knapp 60 Prozent des letzten Nettolohns. Bei den nicht Haupteinkommensbeziehern - zumeist Frauen - liegt die Ersatzquote noch weit niedriger. Durch die demographische Schieflage verringert sich das Versorgungsniveau der Umlagerente für die jüngeren Jahrgänge. Es fällt von 60 auf 37 Prozent (Vergleich Durchschnittsverdiener der Jahrgänge 1945 und 1985).
Lohnersatzquoten (Rentenanspruch) verschiedener Einkommensgruppen und Jahrgänge
Mit 45 Versicherungsjahren (kommen weniger Jahre zustande verringert sich die Rente weiter!
Jahrgang
letztes Nettoeinkommen
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"Geringverdiener"
(1.278,23 EUR)
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"Durchschnittsverdiener"
(2.045,17 EUR)
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"Besserverdiener"
(2.812,11 EUR)
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Jahrgang
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1945 |
65% - 830,85 € |
60% - 1.227,10 € |
54% - 1.518,54 € |
1945 |
1955 |
59% - 754,16 € |
54% - 1.104,39 € |
48% - 1.349,81 € |
1955 |
1965 |
48% - 613,55 € |
44% - 899,87 € |
40% - 1.124,84 € |
1965 |
1975 |
41% - 524,07 € |
38% - 777,16 € |
34% - 956,12 € |
1975 |
1985 |
40% - 511,29 € |
37% - 756,71 € |
33% - 928,00 € |
1985 |
Quelle: DIA 2001
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Wer künftig nicht mehr bis zum 67. Lebensjahr arbeiten will, muss sich auf deutliche Abzüge bei der Rente einstellen. Jedes Jahr, das man früher in Rente geht, kostet 3,6 Prozent. Was dies konkret bedeutet, entnehmen Sie bitte der Aufstellung.
Renteneintrittsalter mit 62 Jahren
600 Euro*: -108 Euro
800 Euro: -144 Euro
1.100 Euro: -198 Euro
1.500 Euro: - 270 Euro
* voller Rentenanspruch mit 67 Jahren
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Renteneintrittsalter mit 63 Jahren
600 Euro: -86,40 Euro
800 Euro: -115,20 Euro
1.100 Euro: -158,40 Euro
1.500 Euro: - 216 Euro |
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Renteneintrittsalter mit 64 Jahren
600 Euro: -64,80 Euro
800 Euro: -86,40 Euro
1.100 Euro: -118,80 Euro
1.500 Euro: - 162 Euro |
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Renteneintrittsalter mit 65 Jahren
600 Euro: -43,20 Euro
800 Euro: -57,60 Euro
1.100 Euro: -79,20 Euro
1.500 Euro: - 108 Euro |
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Renteneintrittsalter mit 66 Jahren
600 Euro: -21,60 Euro
800 Euro: -28,80 Euro
1.100 Euro: -39,60 Euro
1.500 Euro: - 54 Euro |
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Quelle: "Focus"
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| Die Rentner von morgen sind doppelt gestraft |
Wer heute jung ist, zahlt doppelt für die Alterung der Gesellschaft: Er muss mehr in die Rentenkassen einzahlen und bekommt weniger raus als seine Eltern. Ohne private Vorsorge sehen die Alten von morgen alt aus.
In Deutschland tickt ein demographische Zeitbombe. Die Bevölkerung schrumpft und altert - und die Sozialsysteme sind nicht gewappnet. Schon Sozialminister Norbert Blüm sagte nur die halbe Wahrheit, als er die Rente sicher nannte. Die Wahrheit über Demographie, Renten und Beiträge sieht anders aus. q Demographie: Ohne weitere Zuwanderung wird die Bevölkerung im Jahr 2040 auf 64 Millionen schrumpfen. Vor allem wird sie kräftig altern.
Heute ist jeder Vierte älter als 59. Im Jahr 2040 werden es 40 Prozent sein. Was das bedeutet, macht Sozialforscher Meinhard Miegel deutlich: Damit könnte ganz Niedersachsen ausschließlich von 79-Jährigen, Hamburg von über 89-Jährigen und Trier von über 99-Jährigen bevölkert werden. Für das Rentensystem, das über das Umlageverfahren finanziert wird, ist das ein großes Problem. Heute werden die Ausgaben für einen Rentner auf 2,5 Erwerbstätige umgelegt. In Zukunft kommt auf einen Rentner nur noch ein Arbeitnehmer.
Leistungen: Wer heute jung ist, muss sich deshalb auf harte Zeiten einstellen. Die Bundesregierung hat zwar bei der Rentenreform 2000 versprochen, dass die Rente für den Eckrentner nicht unter 67 Prozent seines letzten Nettolohns sinken wird. Doch davon hat Otto Normalbürger wenig.
Denn der Eckrentner ist ein Konstrukt der Statistiker: Er hat 45 Jahre lang eingezahlt und stets durchschnittlich verdient. Die Unterschiede zwischen Ideal und Wirklichkeit sind groß. So erhält der Eckrentner heutzutage eine Rente von 1164 Euro. Der Durchschnitts-Rentner (West) mit weniger Versicherungsjahren bekommt dagegen nur 963 Euro, die Rentnerin nur 469 Euro, wie der Verband der Rentenversicherer erläutert.
Wenn die Menschen wissen wollen, wie es ihnen wirklich geht, müssen sie realistischer rechnen, wie es das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) 2001 getan hat. Danach bekommt ein Mann, der heute 30 Jahre alt ist, später nur 59,4Prozent seines letzten Nettolohns an Rente, auch wenn er 40 Versicherungsjahre voll macht. Eine 25-jährige Frau, die es auf 35 Versicherungsjahre bringt, bekommt später sogar nur 51,7 Prozent (siehe Titel-Grafik).
Kosten: Dabei sind die künftigen Rentner doppelt gestraft. Sie bekommen nicht nur weniger als ihre Eltern, sondern müssen auch mehr einzahlen. Die Bundesregierung geht zwar davon aus, dass der Beitragssatz von heute 19,1 Prozent nur auf 22 Prozent im Jahr 2030 (2040: 23Prozent) steigen wird. Die DIA-Forscher halten das aber für einen Witz. Sie erwarten, dass 2030 für die Rentenversicherung 27,4 Prozent fällig werden (2040: 28,8 Prozent).
Entsprechend mies wird die Rendite, die sich auch für die gesetzliche Rente ermitteln lässt. Laut DIA erhält ein Lediger, 1930 geboren, für jeden Euro Beitrag, den er eingezahlt hat, eine Rente von 1,75 Euro. Wer 1980 geboren wurde, hat dagegen eine negative Rendite: Er bekommt weniger raus, als er einzahlt. Für jeden Euro Beitrag gibt es nur noch 78 Cent Rente. Etwas besser sieht es bei Verheirateten aus, da die Versicherung auch dem hinterbliebenen Partner eine Rente zahlt. Hier bleibt die Rendite positiv, sie sinkt aber für den 1980 Geborenen auf 1,20 Euro.
Um so wichtiger ist private Vorsorgen. Walter Riester hat geschafft, was Norbert Blüm schleifen ließ: den Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Zwei Schönheitsfehler bleiben: Die Riester-Rente ist bürokratisch. Und nach Meinungen mancher Experten reicht sie nicht aus, um die Lücke zu stopfen. Wer 2040 mit demselben Niveau in Rente gehen will, wie es Ruheständler heute tun, muss zusätzlich vorsorgen - meinen jedenfalls die DIA-Forscher.
Düsseldorf (RP). |